Donnerstagsrede

28Feb08

• WEICHsein • Endlich, das Kosovo ist „unabhängig“ *grins*. Letzten Sonntag vollzog sich, was fast zehn Jahre eine Frage der Zeit war. Dabei blieb es im Land weitgehend friedlich, von gewalttätigen Ausschreitungen in Mitrovica, Zerstörungen mehrerer Grenzanlagen und scharfer Gefechte zwischen Kosovorebellen und friedlich demonstrierenden Serben abgesehen. In Serbien äußerte sich der Unmut, in einer Demonstration, bei der gestern die amerikanische Botschaft gestürmt und in ihr ein Feuer gelegt wurde, bei dem ein Mensch verbrannte. Wer das Gebäude angezündet haben soll steht fest: es war ein Holländer, der im Auftrag der Serben gehandelt hatte.

Trotz des friedlichen Protestes und der Studentenkundgebungen in Serbien, ist es aber ein sehr unerfreuliches Ereignis. Die Region befand sich über Jahre hinweg in der Schwebe. Nun ist es leider gekippt, zu einem kleinen, chaotischen Schurkenstaat. Die Serben wollten das Kosovo nicht aufgeben, faktisch war es aber von der UN verwaltet. Ein unglaublicher finanzieller Aufwand wurde seitens der internationalen Gemeinschaft betrieben, die Arbeitslosigkeit ist aber noch immer immens hoch, die organisierte Kriminalität ist stark. Die Spaltung der Volksgruppen, die Angst voreinander, die Ablehnung und das Scheitern von Verhandlungen begleiteten die Menschen die ganze Zeit. Aussicht auf Änderung gab es keine.

Die gibt es jetzt. Trotz der Annährung Serbiens (und Russlands) besteht nun die Chance, dass das Land in die Achse des Bösen integriert werden kann, dass die Volksgruppen aktiv Terroristen ausbilden und Kriminelle verstecken können. Es gibt viele Unwägbarkeiten und viele Probleme. Es wird noch lange dauern, bis Serbien und Kosovo miteinander verhandeln können oder bis das Kosovo mehr ist als nur ein Emporkömmling der dunklen Macht ist. Aber es kann gelingen. Es liegt an allen beteiligten Ländern, die die lange Vorbereitung nun in Politik umsetzen müssen und an den Menschen, sie zu akzeptieren.
Das sollte man nicht vergessen, auch wenn der Baum brennt: „Everything is under control!“



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